Ferdinand Gabriel Fuckel (1700-1753) - Forstmeister in St. Petersburg

(Bernd Josef Jansen)

Die folgenden Bilder und Angaben zum beruflichen Wirken des Ferdinand Gabriel Fuckel entstammen dem von Dr. rer. silv. habil. Bernd Bendix verfassten Artikel "FERDINAND GABRIEL FUCKEL (1700-1753) – Wegbereiter einer modernen Forstwirtschaft in Russland." In: Allgemeine Forst- und Jagdzeitung, J.D. Sauerländer’s Verlag Bad Orb, 186. Jg. 2015, Heft 7/8. Ihm bin ich für die Überlassung seines Manuskriptes und der freundlichen Erlaubnis, dieses als Grundlage für meinen Text benutzen zu dürfen, zu besonderem Dank verpflichtet.  

 

Familie

 
Ferdinand Gabriel Fuckel wurde in Helmstedt geboren und im dortigen Ludgerikloster am 16. November 1700 getauft. Sein Vater Johann Fuckel (+ 15. Dezember 1733) war Jäger und Förster des Klosters. Anscheinend stammte er aus Schwaben, denn bei seiner am 18. Februar 1683 in Helmstedt St. Ludgeri erfolgten Hochzeit wird er als "suevus" bezeichnet. Seine Ehefrau war die aus Süpplingenburg stammende Juliana Law(en). Das Paar bekommt in den folgenden Jahren 9 Kinder. Die etwa 1684 geborene und 1741 gestorbene Tochter Anna Catharina heiratete am 24. November 1705 in Helmstedt Johann Adam Steinhausen (+ 1740), den Förster der Johanniter-Komturei in Süpplingenburg. Der älteste Sohn Johann Friedrich Wilhelm Fuckel, getauft am 30. September 1686, beerdigt am 14. Mai 1756 in Helmstedt, wurde Nachfolger seines Vaters als Förster des Ludgeriklosters und heiratete vor 1728 eine Johanna Elisabeth Gertrud Mullers. Die am 2. April 1689 getaufte Tochter Anna Juliana Fuckel heiratete am 26. November 1709 Johannes Mazki (auch Maxki und Matzen geschrieben), den Kornmeister des Klosters. Eine im September 1691 notgetaufte Tochter Anna Maria Fuckel starb direkt nach der Geburt. Anna Dorothea Elisabeth Fuckel, getauft am 17. November 1692, heiratete vor 1717 einen Joachim Carolus Brandis aus Hildesheim. Die beiden folgenden Kinder Bernardus Casparus (getauft 12. September 1695) und Christina (getauft 30. Januar 1697) werden später nicht mehr erwähnt. Als jüngstes Kind wird am 13. September 1706 Sophia Catharina Fuckel getauft. Im Taufeintrag steht Sophia Elisabeth, bei der Geburt ihrer Kinder wird sie aber stets Sophia Catharina genannt. Ihr Ehemann war Johann Heinrich Gutjahr, Sohn des gleichnamigen Schreibers des Klosters Althaldensleben und der Margaretha Elisabeth Mählers. Das Paar muss vor 1732 geheiratet haben, denn in diesem Jahr wird ihr erstes Kind in Helmstedt getauft. Johann Heinrich Gutjahr (junior) wir 1735 als Gerichtsschreiber des Klosters bezeichnet, 1733 ist er "Notarius", 1748 und 1758 Notar und Organist des Stiftes St. Ludgeri.
 

Kindheit und Ausbildung

 
Johann Georg von Langen (1699-1776)
Johann Georg von Langen (1699-1776)
Auch wenn über seine frühen Jahre keine gesicherten Informationen vorliegen, darf man davon ausgehen, dass Ferdinand Gabriel Fuckel als Kind eine Schule besucht hat, in der ihm die Kenntnis der lateinischen Sprache sowie der klassischen Fächern Grammatik, Rhetorik und Dialektik vermittelt wurden. Zuerst wäre hier an die Lateinische Stadtschule in Helmstedt zu denken, die als Einrichtung des Rates allerdings protestantisch geprägt war und deswegen für den Sohn katholischer Eltern weniger attraktiv war. Eventuell ist auch ein Unterricht direkt im Ludgerikloster möglich gewesen. Ein Universitätsstudium ist für Fuckel nicht nachzuweisen. Wichtiger und interessanter ist seine forstwissenschaftliche Ausbildung, über die es aber leider ebenfalls keine Belege gibt. Eine Jagd- und Forstlehre wird er (wegen des Fehlens von Forstschulen im niedersächsischen Raum zu dieser Zeit) bei seinem Vater absolviert haben, da dieser ja selber Förster war. Nach Aussage des russischen Forsthistorikers Georgi Redjko soll er „... bevor er 1727 in Russland eintraf, in den Wäldern an der Elbe, im Fürstentum Braunschweig-Lüneburg und Blankenburg tätig gewesen...“. Dieser Verweis lässt einen Kontakt zum Braunschweig-Lüneburgischen Forst- und Oberjägermeister Johann Georg von Langen (1699-1776) vermuten, der ab 1722 die "unteren Blankenburger Forsten" kartographierte und bei dem Fuckel seine Ausbildung vertieft haben könnte. Vielleicht wurde er durch die Vermittlung von Langens später den Russen als geeigneter Kandidat vorgeschlagen. Zwei Aktennotizen aus seinem frühen Berufsleben sind überliefert: „Den 18. Xbr. 1719 ist Gabriel Fuckel Forsterbursche bey Bartling beeydiget worden“, ebenso „Den 20. Junii 1726 haben die beeden Jager Bursche Georg Wilhelm Heyer und Ferdinand Gabriel Fückel vorstehenden Ayd nebest Erbhuldigungs Eydt abgeschworen.“
 

In St. Petersburg

 

Schon Zar Peter der Große hatte, angeregt durch die während seiner Reisen 1697/98 durch das westliche Europa gemachten Erkenntnisse, eine Reform des russischen Forstwesens begonnen. Hierzu hatte er nach 1701 erstmals deutsche Forstleute ins Land geholt, die die dortigen Waldbestände erfassen und pflegen sollten. Ab 1722 wurde die Forstverwaltung dem St. Petersburger Admiralitätskollegium unterstellt, denn für den Schiffsbau wurde qualitativ hochwertiges Holz benötigt. Speziell Eichen für die Schiffsrümpfe und Lärchen für Schiffsmasten waren sehr begehrt und wegen der schlechten Bewirtschaftung der russischen Wälder in der nötigen Anzahl und Qualität nur schwer zu finden. Nach Zar Peters Tod im Jahre 1725 wurden die Anstrengungen noch intensiviert und erneut Forstleute aus Deutschland angeworben. Durch Peters Schwiegertochter Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel bestanden enge Kontakte zum dortige Fürstenhaus. Über diplomatische Kanäle ergingen deswegen wohl auch dorthin Anfragen nach geeigneten Kandidaten, woraufhin die Wahl der Admiralität auf den hier ansässigen Ferdinand Gabriel Fuckel fiel, der mit zwei anderen Forstleuten am 9. November 1726 nach St. Petersburg eingeladen wurde. Über den Hamburger Kaufmann Hermann Goverts d. Ä. wurde ein auf den 14.Juli 1727 datierter Vertrag über eine Anstellung für vier Jahre übermittelt und die drei trafen am 22. August 1727 in St. Petersburg ein. Fuckels Mitstreiter, die Fortmeister Melchior Selger und Johann Valentin Mertsgunmer wurden direkt in das etwa 1.500 Kilometer entfernte Kasan geschickt, um an den Ufern der Wolga und ihrer Nebenflüsse Sura und Swjiaga für den Schiffsbau geeignete Holzbestände zu finden und zu beschreiben, bestehende Eichenbestände zu pflegen, neue anzupflanzen sowie den Transport durch Holzflöße auf den genannten Flüssen zu organisieren. Mertsgunmer kehrte im Herbst 1734 nach Deutschland zurück, während Selger 1742 in Kasan verstarb. Über das Wirken dieser beiden ist relativ wenig bekannt.

Fuckels für vier Jahre geltender Anstellungsvertrag sah folgende Tätigkeiten vor: Begutachtung der im europäischen Teil Russlands liegenden Wälder und Erfassung der für den Schiffsbau geeigneten Bestände; Anbau und Pflege neuer Wälder sowie Schutz vor Holzdiebstahl. Zu seiner Unterstützung sollte er sechs Forsteleven erhalten und diese ausbilden. Sein Gehalt wurde auf jährlich 600 Taler (russische Jefimoks) festgelegt, zusätzlich erhielt er für jeden Forsteleven 50 Rubel zusätzlich.
 
Unverzüglich nach Eintreffen in Russland nahm Fuckel seine Arbeit auf. Schon im Herbst 1727 vermaß und beschrieb er, zusammen mit seinem Landvermesser Nemtimow, die Wälder von Jaroslawl bis zum Oberlauf der Wolga in der Provinz Nowgorod sowie die am Swir, dem Hauptzufluss des Ladogasees im Kreis Olenetsk gelegenen Waldgebiete. Es folgten im Jahren darauf die Wälder rund um den Ilmensee und entlang des Flusses Wolchow, der den Ilmensee und den Ladogasee miteinander verbindet. 1729, 1730 und 1735 bereiste er überwiegend die entlang des "Schwarzen Flusses" um Ustjuzensk und Sestrorezk in der Provinz Wyborg gelegenen Gebiete und stelle dort die für den Schiffsbau geeigneten Lärchenbestände unter Schutz. 1731 besuchte er in der Grafschaft Koporskaja verschiedene Schlösser und Landsitze, um dort für die Anpflanzung von Eichen geeignete Standorte zu finden, worüber er im folgenden Jahr dem Admiralitätskollegium Bericht erstatte. Sein im März 1732 dazu erstellter Entwurf "Wie Eichenwälder zu säen und zu pflegen sind" fand Eingang in das kaiserliches Dekret "Über Waldanbau für die Flotte Ihrer kaiserlichen Majestät" vom 21. Oktober 1735. Hierin wurden Grundbesitzer angewiesen, Eichen zu säen und zu pflanzen. Eine weitere Ausarbeitung von ihm trägt den Titel "Sonderregelungen für die Lage der Forstmeister und ihrer Untergebenen."
 
Im Jahre 1734 lief sein Arbeitsvertrag aus, er blieb aber freiwillig weiter in Russland. Da in seinem ersten Vertrag von 1727 eine Anpassung seines Gehaltes an den geänderten Wechselkurs nicht berücksichtigt worden war, verlangte er eine Anhebung seiner Bezüge und die Gleichstellung seines deutschen Forstmeistertitels mit dem Rang eines russischen "Waldmeisters". Gemeinsam mit seinem Landvermesser Leutnant Talischew erfasste und kartierte Fuckel im Sommer und Herbst 1735 die Wälder um Nowgorod. Die hier liegenden Gutsherrschaften lagen oft nur wenige Meilen von der Ostsee entfernt und waren für den Eichenanbau besonders gut geeignet, allerdings stießen die neuartigen staatlichen Auflagen für die Eichenzucht bei den Grundherren oft auf wenig Gegenliebe.
 
Zur späteren Nutzung als Schiffsmasten hatte schon Zar Peter der Große in der Nähe der Kronstädter Werft die Anlage eines Lärchenwaldes geplant. Unter seiner Nachfolgerin Zarin Anna wurde dieser Plan endlich verwirklicht. Die Admiralität beauftrage Fuckel damit, in der Gegend des 61. Breiten- und 53. Längengrades diesen Wald mit Saatgut der Sibirischen Lärche aus Archangelsk anzulegen. Fuckel inspizierte hierzu im Frühjahr 1738 das Gelände in der Wyborger Provinz und fand in dem 60 km nördlich von St. Petersburg gelegenen Ort Raivola [Roschtschino-Lintulowska] zwei geeignete Flächen. Am 7. April 1728 traf das Saatgut aus Archangelsk in St. Petersburg ein und Fuckel bekann mit seiner Arbeit, die er ausführlich in seinen Manuskripten beschrieb:
 

Die beschafften [Lärchen-]Samen aus der Stadt Archangelsk sind meiner Beobachtung nach zu warm aufbewahrt worden. So beschloß ich als erstes, den gemachten Fehler einigermaßen mit Hilfe von Wärme und Feuchtigkeit zu korrigieren, damit die Samen sogleich im ersten Sommer keimten und die Keime gut Wurzeln schlugen; zu diesem Zweck verfuhr ich folgendermaßen.

Nachdem ich Ende April am Saatplatze angelangt war, verfertigte ich ziemlich viele, kleine, flache Tröge, die ich in eine Grube auf einen sonnigen Abhang setzte, wo die Samen vor kalten Winden geschützt waren. Als jedoch warme Tage kamen, vermengte ich die Samen mit guter Erde, füllte die Tröge mit dieser Mischung, wobei ich jedoch nicht 3 cm Tiefe überschritt, und spritzte jedesmal Wasser darauf, wenn die Erde von der Sonne trocken geworden war, jedoch so sparsam, daß die Erde nicht mit den Samen zu Klumpen vermengt werden konnte. Nachts und bei kalten Winden bedeckte ich die Gruben und Tröge, bei warmen Wetter aber deckte ich sie wieder auf und mengte tagtäglich die Erde durcheinander, damit diese und die Samen weich würden, nicht allzu feucht und nicht allzu trocken.

Indessen bestimmte ich zwecks Aussaat der Samen die Umgrabung von zwei Flächen, von denen die eine, die vor einem Jahre geschwendet, uneben und stellenweise recht trocken war. Um aber zu verhindern, daß mir der für die Aussaat passende Zeitpunk entginge und um schneller mit der Sache ins Reine zu kommen, ließ ich, nachdem ich diese Stelle als die beste erkannt hatte, die Roggenstoppeln auf dem Felde genügend tief umpflügen, und da Samen, die auf die obige Weise behandelt worden sind, gewöhnlich nach 10 - 12 Tagen keimen, säte ich sie, damit sie nicht vor der Zeit keimten, in das umgepflügte Land jeden 5. bis 8. Tag, nachdem sie mit der Erde vermengt worden waren, und ordnete an, dass sie mit der Egge leicht zu bedecken waren.

Die andere Fläche war besser, aber vor einigen Jahren war auch sie geschwendet und schon mit Wald, Gebüsch und Gras bedeckt, daß es unmöglich gewesen wäre, sie in so kurzer Zeit ohne große Beschwerden zunächst zu roden und dann für die Aussaat vorzubereiten; deshalb ließ ich das Gras mähen und das Gebüsch verbrennen und ließ diese ganze Fläche west-ostwärts in Furchen von 2 Fuß Breite aufhacken; zwischen den Furchen wurde bloßes Land von 2 Fuß Breite gelassen, teils um die Arbeit zu beschleunigen, teils damit das auf den Zwischenräumen dieser Furchen wachsende Gras die ausgesäten Samen schütze, sobald diese infolge der Sonnenwärme angefangen hätten zu keimen. Als ich aber bemerkte, daß Regen im Anzuge war, säte ich die mit der Erde vermengten Samen und eggte sogleich danach die Furchen um und war so ca. den 20. Mai fertig.

Die Arbeit gelang so gut, daß die Samen bereits im ersten Sommer äußerst gut keimten. Auf einer Besichtigung des Saatortes nach Jahren (im Juli 1743, d. A.) waren die jungen Lärchenpflanzen auf der ersteren Fläche 4 Fuß hoch (ca. 1,25 m, d. A.) gewachsen und schützten sich mit ihren Ästen gegen den Sonnenbrand, auf der anderen Fläche aber, die gefurcht worden war, waren viele Lärchen zu Boden getreten und vertrocknet und der Wuchs war viel schwächer als auf der ersteren Stelle, da, wie ich zu hören bekam, einmal eine Herde Dragonerpferde in die Umzäunung eingelassen worden war. Die erwähnten Aussaaten geschahen Mai 1738 und diese Aufzeichnungen habe ich im August 1743 angelegt“.

 
Lärche
Sibirische Lärche, Kupferstich aus Fuckels Forstbuch von 1766
Auf insgesamt 1,9 Hektar wurden hier nun 1738 die ersten Lärchen gepflanzt, 1749 berichtete Fuckel dem Admiralitätskollegium, dass in der Nähe auf weiteren 5.143 m² weitere 1.000 Lärchen gepflanzt worden waren und für das folgende Jahr 1750 noch einmal 1.000 m² für den Lärchenanbau vorbereitet werden würden. 1773 und 1805 bis 1820 erfolgten dann erneute Aussaaten bzw. Anpflanzungen. Der Lindulowaja Roscha (Lindulowsker [Lärchen]-Hain) ist seit 1976 ein Naturschutzgebiet von 986 Hektar Fläche und wurde 1990 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Der älteste Teil des Lärchenwaldes ist 23,5 Hektar groß - hier finden sich noch heute alte Lärchenbestände, die zwischen 1738 und 1851 angelegt wurden. Die ältesten, 1738 gepflanzten Bäume sind heute (2017) 279 Jahre alt, im Schnitt 39 m hoch und besitzen einen Brusthöhendurchmesser von 50 bis 52 cm. Fuckel hat sich mit der Begründung dieses Lärchenwaldes ein "hervorragendes Denkmal seiner schöpferischen Tätigkeit" gesetzt.   
 
Die Wälder entlang des Flusses Wischera in der Provinz Nowgorod begutachtete Fuckel 1742 und gab im gleichen Jahr Empfehlungen zur Bekämpfung von Insektenschäden ab. Die Kiefernwälder in der Umgebung von St. Petersburg inspizierte er im April 1744, Mai bis Juni 1746 folgten die Wälder am Peipussee und entlang von dessen Abfluss, der Narva. Im gleichen Jahr begutachtete er auch noch die Wälder um die südlich von St. Petersburg gelegene Stadt Pskow. Zusammen erfasste er dabei 3.000 "Schiffsmastenbäume". Fuckels Arbeitspensum muss enorm gewesen sein, wenn man die zahlreichen Reisen durch das riesige Gebiet bedenkt.
 
Im Dezember 1743 und im Oktober 1746 bat Fuckel um Erhöhung seines Gehaltes und um die Einstufung in den Rang eines russischen Waldmeisters. Hierbei erwähnt er, sein Gehalt betrage derzeit jährlich 565 Rubel, von denen er aber 78 Rubel zur Bezahlung seines Dieners verwenden müsse. Offensichtlich wurden aber beide Anträge nicht positiv beschieden. Im Finnischen Meerbusen erforschte Fuckel im Jahre 1748 Birkeninseln und fertigte dazu Bestandskarten an. Hierbei ermittelte er große Mengen an Kiefern-, Fichten-, Birken- und Erlenholz, die neben dem Schiffsbau auch zur Brennholznutzung und für das Sägewerk in Sestorezk geeignet waren. Nachdem er ab Ende Mai 1749 teils widersprüchliche Befehle zur Erfassung der Wälder im Gebiet um Wyborg erhalten hatte, wurde er entsprechend eines Dekretes vom 1. Mai 1750 nach Kasan geschickt um dort die Unterforstmeistereien Selivanow und Ivanow zu übernehmen und die Eichenwaldwirtschaft zu verbessern. Hierzu wurde ihm ein neuer Arbeitsvertrag mit 700 Rubeln Jahresgehalt, der Titel "Waldmeister" sowie ein Wagen zu Reisezwecken zugesprochen.
 
 

Tod und schriftstellerischer Nachlass

 
Ferdinand Gabriel Fuckel starb am 21. März 1753 in St. Petersburg, wo er auch an heute unbekannter Stelle begraben wurde. Ob er in Russland eine Familie gegründet hatte, ist nicht bekannt. Sein umfangreiches Erbe wurde inventarisiert und ging an seinen Bruder Wilhelm Fuckel (1686-1756) und seine Schwester Juliana Mazki, geb. Fuckel (1689-nach1753) in Helmstedt. Verzeichnet wurden ein typisch russisches Holzhaus mit Stallgebäude, Pferdegeschirr und Karren mit Heu und Hafer. Zur beweglichen Habe gehörten unter anderem ein diamantbesetztes Kreuz, ein Bildnis des Hl. Johannes Nepomuk (auch dies mit einem Edelstein besetzt), ein goldener Ring, eine silberne Rohrpfeiffe nebst einer mit Schildpatt belegten Schnupftabaksdose, ein Tafelgeschirr aus versilbertem Zinn und ein Silberbesteck. 2 erwähnte Gold- und 8 Silbermünzen waren wahrscheinlich Auszeichnungen für seine Tätigkeit in Russland. An Ausständen waren noch 3.000 Rubel offen. Auch seine Arbeitsgeräte wurden verzeichnet: ein Teleskop, ein alter Messingkompass, verschiedene Sägen, ein Werkzeugkasten, eine Jagdwaffe, ein Pulverhorn, zwei Jagdtaschen und verschiedene Pistolen werden genannt. Ein umfangreicher Bestand von 51 Büchern, darunter auch eine Ausgabe der "Berleburger Bibel", zeugen von einem sehr gebildeten Mann
 
In zahlreichen Berichten, die seinen Inspektionsreisen folgten, nahm Fuckel umfangreich Stellung zu Bestand und Pflege der vorgefundenen Waldbestände. Neben dem bereits genannten Schriften "Wie Eichenwälder zu säen und zu pflegen sind" und "Sonderregelungen für die Lage der Forstmeister und ihrer Untergebenen" verfasste Fuckel 1748 eine "Stellungnahme zu den besten Schiffsbauwäldern und ihr vorgefundener Zustand". Um diese Zeit begann er auch mit dem Manuskript seines Hauptwerkes "Sammlung zur Forstwirtschaft", das er am 8. April 1752 vollendete und, mit der Unterschrift seines Vorgesetzten Oberforstmeister Boris Nikitin versehen, der Admiralität vorlegte. Konzipiert war dieses Buch als Leitfaden für Studenten der Forstwirtschaft. Seine zahlreichen Forschungsergebnisse und Versuche in Wyborg, St. Petersburg und Nowgorod sowie der Region um Archangelsk waren Grundlage dieses Werkes. Das in deutscher Sprache verfasste Manuskript wurde noch im Todesjahr Fuckels der Akademie der Wissenschaften zur Diskussion übergeben und in "Forstwirtschaft in Russland" umbenannt. Trotz offensichtlicher Mängel (stilistische Probleme, botanische Unklarheiten) wurde der Text von den Mitgliedern der Akademie positiv bewertet. Nach Ergänzungen und Verbesserungen wurde das Werk schließlich ins Russische übersetzt und 1762 zum Druck freigegeben. Es dauerte aber noch weitere 4 Jahre, bis das Buch 1766 endgültig in einer Auflage von 1.200 Exemplaren gedruckt wurde. 10 Exemplare wurden kurioserweise in Marokko in vergoldete Ledereinbände gebunden, der Rest erhielt einfache Einbände aus Kartonage.
 
Titel des Forstbuches von Ferdinand Gabriel Fuckel 1766
Titelblatt des Forstbuches von Ferdinand Gabriel Fuckel 1766
Der russische Titel des Buches lautet: "Описание естественного состояния растущих в северных российских странах лесов с различными примечаниями и наставлениями как оные разводить, сочиненное на немецком языке Форстмейстером Фокелем, а сo oнего переведенное на российский и по повелению Государственной адмиралтейской коллегии напечатанное. в Санкт-Петербурге при  Морской Шляхетский Кадетский Корпус, 1766"
 
(Übersetzung: Beschreibung des natürlichen Zustandes der in den nördlichen russischen Ländereien wachsenden Wälder nebst verschiedener Bemerkungen und Anleitungen, wie solche anzubauen, verfasst in deutscher Sprache durch den Forstmeister Fokel und aus dieser ins Russische übersetzt und auf Befehl des staatlichen Admiralitätskollegiums gedruckt in Sankt Petersburg ... 1766)
 
Fuckels Werk ist das erste Forstbuch in russischer Sprache und deswegen für die Geschichte der russischen Forstwirtschaft von hervorragender Bedeutung. Das Vorwort schrieb der Universalgelehrte Michail Wassiljewitsch Lomonossow; er bemerkte ".. Dieses Buch, das so sinnvoll und notwendig ist, da bisher noch niemand etwas über die genaue Darstellung der Forstwirtschaft in Russland  geschrieben hat, kommt zu dem Schluss, dass damit die Wissenschaft zu einem genauerem Studium derselben in Russland motiviert sein wird."
 
Inhaltlich ist das 373 Seiten starke Buch zugleich Lehrbuch, Praxishandbuch und Reiseführer. Themen wie Pflanzengeographie, Botanik und Physiologie, Waldökologie, Holzwirtschaft, Waldbau (Forstsaatguternte, Aussaat, Pflanzung, Pflege) und Forstnutzung werden in 29 Kapiteln mit 429 Paragraphen behandelt. Zudem werden die 15 häufigsten Bäume und 11 häufigsten Straucharten in Russland ausführlich behandelt. Jeweils am Ende der Kapitel sind insgesamt 26 Kupferstichtafeln mit Abbildungen von Bäumen und Sträuchern sowie einer Abbildung eines Pflanzbrettes für das Stecken von Eicheln angefügt.
 
Stiel-Eiche, Kupferstich aus Fuckels Forstbuch von 1766
Stiel-Eiche, Kupferstich aus Fuckels Forstbuch von 1766
Fuckels Schlusswort aus seinem Manuskript wurden auch in das Buch übernommen: "Was diese Beschreibung anbelangt, so habe ich sie nur in der Absicht angefertigt, damit die bei mir gewesenen Schüler im Falle, wenn sie in Zukunft andere Holzarten finden, nach mir eine solche Beschreibung anfertigen können. Und so überlassen ich am Schluss mein Werk dem Wohlwollen des geehrten Lesers und bitte, die hier nicht ohne mühevolle Arbeit dargelegten Ausführungen gütigst aufzunehmen und über sie nach wahrhaften Regeln der Forstkunst zu urteilen."  
 
Von russischen Forsthistorikern wird Ferdinand Gabriel Fuckel als "der berühmteste Forstmeister in Russland des 18. Jahrunderts" bezeichnet. Der Waldbauprofessor Michail Michajllowitsch Orlow (1867-1932), schreibt über Fuckel und sein Buch:
 
"Das Jahr 1766 kann als Beginn der russischen Forstliteratur angesehen werden [...]. Dieses Buch ist nur der erste Teil des von Fokel begonnenen und nicht vollendeten Werks; es genügt aber, um den Namen des Verfassers für alle Zeiten mit der russischen Forstliteratur zu verweigen. Fokel kann nach dem nach seinem Tode herausgegebenen, von ihm nicht einmal korrigierten Werk als erster würdiger Repräsentant der geschulten russischen Forstleute angesehen werden. Die Nachfolger erschienen erst lange nach seinem Tode."

 

 

Ferdinand Gabriel Fuckel ist mein Onkel 9. Grades:

Johann Fuckel ca 1660-1733
& 1683 Juliana Law ca 1660-1735/
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Sophia Catharina Fuckel 1706- nach 1750   Ferdinand Gabriel Fuckel 1700-1753
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Johann Conrad Gutjahr 1735-1804    
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Franz Anton Gutjahr 1770-1827    
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Margaretha Josepha Henrietta Gutjahr 1804-1867    
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Maria Magdalena Friederika Lüttgenau 1838-1913    
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Henrietta Bröcker 1866-1943    
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Johanna Friederika Arens 1890-1960    
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Josef Anton Philipps 1914-1976    
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Frieda Philipps 1939    
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Bernd Josef Jansen 1969
 
 
 
Benutzte Quellen und Literatur:
 
BENDIX, Bernd: FERDINAND GABRIEL FUCKEL (1700-1753) – Wegbereiter einer modernen Forstwirtschaft in Russland. In: Allgemeine Forst- und Jagdzeitung, J.D. Sauerländer’s Verlag Bad Orb, 186. Jg. 2015, Heft 7/8, 
S. 150-163. 

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